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ERP-Systeme im Internet of Things – Wie sieht die Zukunft aus?


  • 12.06.2017
  • 6 min

Das Internet of Things (kurz: IoT) ist schon lange keine Zukunftsmusik mehr, sondern längst Realität. Wir alle können beispielsweise Wearables am Handgelenk tragen, die unsere Herzfrequenz an unser Smartphone übertragen. Per Internet können wir die Heizung in unserem Smart-Home fernsteuern oder punktgenau nachvollziehen, wo sich der Paketbote mit unserer Bestellung gerade befindet.

Doch verglichen mit industriellen Anwendungsfällen des Internet of Things sind das alles nur Spielereien. Das wahre Potenzial der IoT-Technologien liegt im Business-Bereich. Hier ermöglichen sie dezentrale, modulare Strukturen, die ungeahnte Flexibilität mit sich bringen – eine Entwicklung, die auch an ERP-Systemen nicht spurlos vorbeigeht.

Doch zuerst müssen wir ein wenig Kontext schaffen.

Eine Reaktion auf den heutigen Veränderungsdruck

Gerade für Produktionsunternehmen ist das Internet of Things nicht nur ein harmloser Spaß, der es dem Anwender erlaubt, seine Nachttischlampe per App fernzusteuern. Stattdessen ist es eine mögliche Antwort auf Herausforderungen, die Entscheidern schon lange Kopfzerbrechen bereiten:

  • Wie mache ich meine Organisation flexibler?
  • Wie gestalte ich meine Prozesse effizienter?
  • Wie senke ich meine Produktionskosten?

Dabei steht mitnichten nur der Wunsch nach Innovation im Vordergrund, sondern vor allem Druck von außen. Der Markt verlangt ein immer höheres Maß an Flexibilität und Effizienz. Kunden wollen keine Standardangebote mehr, sondern individuell konfigurierbare Produkte. Um diesen Wunsch zu erfüllen, müssen Fertigungsunternehmen immer flexibler werden – und diesen Änderungsdruck geben sie natürlich auch an ihre Zulieferer weiter.

Dezentrale Fertigung ist die Zukunft

Wie aber begegnen Fertiger diesen neuen Anforderungen? Individuelle Angebote zu bezahlbaren Preisen laufen schließlich auf Serienfertigung mit Losgröße eins hinaus. Und das erfordert ein Maß an Flexibilität und Effizienz, das konventionelle Produktionsansätze schlicht und einfach nicht leisten können.

Eine Möglichkeit besteht darin, auf automatisierte, dezentrale Fertigungsstationen zu setzen, die drahtlos miteinander kommunizieren und gemeinsam eine smarte Fabrik bilden.

Betrachten wir dazu ein Beispiel: Nehmen wir an, Sie fertigen gerade eine landwirtschaftliche Maschine an, die Ihre Produktionsstrecke durchläuft. Die Maschine trägt einen Chip, der den Fertigungsauftrag sowie die komplette Konfiguration enthält. Anhand der Informationen auf diesem Chip weiß die Maschine, welcher Produktionsschritt als nächstes ansteht und welche Daten sie dafür übermitteln muss. Die Lackiererei erhält somit von dem Auftragsstück die Information, welchen Lack sie verwenden soll.

Die Vorteile des Internet of Things

Der Vorteil dieses Ansatzes liegt auf der Hand: Indem Sie die Produktionsprozesse dezentralisieren, verteilen Sie die Komplexität des Gesamtsystems auf eine Vielzahl von Einzelkomponenten. Sie benötigen keine monolithische Software-Lösung mehr, die alle Fertigungsaufträge zentral steuert und koordiniert. Stattdessen agiert Ihr System auf einer Need-to-Know-Basis: Jede Fertigungsstation hat nur die Informationen, die das Auftragsstück ihr übermittelt. Die Komplexität eines einzelnen Auftrags wird durch die Kommunikation mehrerer Fertigungskomponenten erreicht.

Darüber hinaus bietet ein dezentrales Internet of Things, dessen Komponenten miteinander kommunizieren, auch noch weitere Vorteile. Nehmen wir einmal Predictive Maintenance als Beispiel. Einmal verbunden, können Ihre Maschinen Belastungs- und Verschleißdaten miteinander austauschen und auswerten. So können Sie nicht nur vorhersehen, wann ein Gerät ausgetauscht werden muss, sondern auch welche Konfiguration am effizientesten läuft und welche Umgebungsfaktoren den Verschleiß beeinflussen.

ERP-System und Internet of Things – ein Widerspruch?

Bis hierhin hält der Blogbeitrag noch nicht das, was er im Titel versprochen hat. Schließlich haben wir uns nur mit dem Internet of Things befasst und ERP-Systeme einfach außen vor gelassen. Aber glauben Sie mir: Der Exkurs war notwendig, denn er verdeutlicht eine Entwicklung, die großen Einfluss auf das ERP-System der Zukunft haben wird.

Ein Begriff fällt immer und immer wieder, wenn wir vom Internet of Things im industriellen Kontext sprechen: Dezentralisierung. Der IoT-Ansatz basiert auf einer Vielzahl quasi-autonomer Maschinen, die über Schnittstellen miteinander kommunizieren und so ein kollektives Gesamtsystem bilden. Das wiederum steht in direktem Widerspruch zu der Idee hinter einer ERP-Lösung. Ein ERP-System ist als zentrale Schaltstelle gedacht, die Steuerung, Kontrolle und Koordination eines Unternehmens an einem einzigen Punkt vereint.

Wie vertragen sich diese beiden Ansätze nun miteinander? Wie verheiraten wir zwei Konzepte, die eigentlich Gegensätze bilden?

Das ERP-System wird zum Daten-Hub

Zunächst müssen wir uns klarmachen, dass ein ERP-System mehrere Funktionsaufgaben in sich vereint. Es steuert nicht einfach nur Geschäftsprozesse, sondern bereitet auch Business-Daten für den Anwender auf. Dem liegt ein bidirektionaler Informationsaustausch zu Grunde. Zum einen sendet das ERP-System Steuerdaten an verschiedene Unternehmensbereiche, wie etwa die Produktion. Zum anderen erhält das System aber auch Daten aus dem gesamten Unternehmen und bündelt diese in einer zentralen Datenansicht.

Die Steuerungsfunktion verliert in einer dezentralen Organisation zunehmend an Bedeutung. Das Netzwerk steuert sich schließlich größtenteils selbst. Wenn wir allerdings die zweite Funktion betrachten, die Aufbereitung von Daten, sieht die Sache schon anders aus.

In einer IoT-Architektur gibt es zunächst keine zentrale Stelle, an der alle Informationen zusammenlaufen. Jede Komponente steuert sich selbst und koordiniert ihre Aufgaben über Schnittstellen mit dem restlichen Netzwerk. Funktional gesehen hat dieser Ansatz zwar viele Vorteile, aber er macht Entscheidern leider auch das Leben schwer.

Niemand hat mehr den Überblick über die Fertigung als Ganzes. Es gibt keinen zentralen Daten-Hub, der alle relevanten Geschäftsdaten bündelt. Wenn die Komplexität in der Fertigung ansteigt, weiß möglicherweise niemand mehr, was in der Werkshalle genau vor sich geht. Strukturelle Fehler und Warnungen gehen schnell im kontrollierten Chaos unter – und Kontrolle wird zunehmend schwieriger.

ERP-Systeme spielen auch im Internet of Things eine Rolle

Das ERP-System der Zukunft wird daher eine Aufgabe übernehmen, die eine IoT-Architektur alleine nicht stemmen kann. Es entwickelt sich vom Steuermodul hin zum Daten-Hub, der Entscheidern Kontrolle und Analyse des Fertigungsbereichs ermöglicht.

Das ist auch dringend notwendig, denn die Datenmenge in automatischen Fertigungs-Organisationen steigt stark an. Mit jeder Maschine, jeder Komponente und jedem Sensor kommen mehr und mehr Daten hinzu - bis schließlich niemand mehr die Informationsflut bändigen kann und sich das System jeder Analyse entzieht.

Machen Sie sich also darauf gefasst, dass Ihr ERP-System in Zukunft eine andere Rolle im Unternehmen einnimmt – weg vom zentralen Schaltpult und hin zum Informations-Cockpit. Die Steuerung Ihrer Fertigungsprozesse regeln Ihre Anlagen per Internet of Things selbst. Aber dank ERP-System behalten Sie trotzdem den Überblick.

Planen auch Sie, Ihre Produktionsabteilung auf das Internet of Things umzustellen? Dann sollten Sie Ihr ERP-System von Anfang an in die Planung mit einbeziehen. Und falls Sie noch kein ERP-System besitzen, sollte sich Ihre geplante IoT-Infrastruktur auf jeden Fall im Lastenheft widerspiegeln. Tipps und Tricks dazu finden Sie in unserem Whitepaper „Der richtige Weg zum ERP-Lastenheft“.

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