​5 Tipps um Widerstände gegen die ERP-Einführung zu senken

18.04.2017 Lesezeit: 4 Min.
​5 Tipps um Widerstände gegen die ERP-Einführung zu senken
Uwe Kallmeyer
Uwe Kallmeyer
Sales Competence Team, Asseco Solutions AG
Uwe Kallmeyer ist seit 25 Jahren als ERP-Erklärer in Vertrieb, Logistik- und Managementberatung aktiv. Er bringt Geschäftsprozesse und ERP auf einen Nenner.
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In den meisten Unternehmen gelingt die ERP-Einführung - in manchen jedoch nicht. Dafür gibt es verschiedene Gründe, aber technische Aspekte gehören nur selten dazu. In der Regel stellen Menschen die Stolpersteine dar: falsche Einschätzungen des Projektumfangs durch die Geschäftsführung oder die Forderung nach teuren, aber überflüssigen Individualanpassungen sind nur zwei Beispiele dafür.

Doch die Problematik liegt nicht immer auf Seiten der Entscheider. Häufig sind es die Mitarbeiter in den einzelnen Fachabteilungen, die das ERP-Projekt blockieren. Dahinter steckt nicht etwa Boshaftigkeit, sondern Angst: Angst vor der eigenen Ersetzbarkeit, mangelnden Gestaltungsmöglichkeiten und dem Verlust des Arbeitsplatzes. Die Kollegen sehen das ERP-System als ein Instrument, das zu Überwachung und Automatisierung führt – eine Bedrohung in ihren Augen. Also wehren sie sich mit Händen und Füßen gegen die Einführung.

Diese Widerstände sollten Entscheider keinesfalls ignorieren. Andernfalls riskieren sie den Erfolg der ERP-Einführung. Damit Ihnen das nicht passiert, haben wir fünf Tipps für Sie zusammengestellt, mit denen Sie Ihre Mitarbeiter für das ERP-Projekt gewinnen können.

1. Schaffen Sie Transparenz

Transparenz ist ein entscheidender Faktor bei jedem Change-Management-Prozess. Wenn Sie die gesamte ERP-Einführung über die Köpfe der Belegschaft hinweg planen, fordern Sie Widerstand geradezu heraus. Ihre Mitarbeiter fühlen sich übergangen und lehnen das ERP-System von vorneherein ab.

Lassen Sie es gar nicht erst so weit kommen, sondern spielen Sie von Anfang an mit offenen Karten. Teilen Sie Ihrer Mannschaft mit, was Sie vorhaben und was sich dadurch ändert. Kommunizieren Sie Ihren Zeitplan und die beteiligten Personen. Wenn Sie Berater hinzuziehen, sollten Sie diese auch Ihren Mitarbeiter vorstellen – denn „gesichtslose“ Unternehmensberater wecken oft die Angst vor Personalreduzierung.

2. Benachrichtigen Sie rechtzeitig Ihre Mitarbeiter

Timing ist oft der Knackpunkt, wenn es um gute Kommunikation geht. Das ist in Change-Management-Prozessen nicht anders. Wenn Sie die Belegschaft zu früh über die geplante ERP-Einführung informieren, sorgen Sie für Verwirrung – schließlich steht noch gar nicht fest, ob und wann das ERP-Projekt überhaupt stattfindet.

Wenden Sie sich jedoch zu spät an Ihre Kollegen, schaffen Sie damit den idealen Nährboden für Gerüchte. Im schlimmsten Fall hat sich eine negative Meinung gefestigt, bevor das ERP-System überhaupt zum Einsatz kommt. Informieren Sie also die Belegschaft, sobald das ERP-Projekt endgültig beschlossen wurde.

3. Stellen Sie die positiven Effekte des ERP-Systems heraus

Ein gutes ERP-System bringt nicht nur dem Unternehmen Vorteile, sondern es hilft auch den einzelnen Mitarbeitern dabei, ihre Aufgaben schneller und effizienter zu erledigen. Das ist ein Punkt, an den Sie anknüpfen können, um Ihre Kollegen von der ERP-Einführung zu überzeugen.

Stellen Sie das ERP-System nicht einfach als ein Stück Software dar, das jeder in Zukunft benutzen soll. Erläutern Sie stattdessen den Nutzen für das Unternehmen und die einzelnen Beschäftigten: Die Organisation rüstet sich für die Zukunft, Arbeitsplätze werden gesichert und die Aufgaben Ihrer Mitarbeiter entwickeln sich weiter.

4. Präsentieren Sie das ERP-System als Hilfsmittel für persönliche Weiterentwicklung

Abneigungen gegen eine ERP-Lösung liegen oft in der Annahme begründet, das System nütze nur dem Unternehmen, nicht aber dem einzelnen Angestellten. Wer will sich schon in ein kompliziertes System einarbeiten, das die eigenen Aufgaben nur schwerer macht?

Richtig ausgewählt und konfiguriert macht ein ERP-System dagegen öde Routineaufgaben obsolet und schafft somit Raum für Weiterentwicklung. Ihre Mitarbeiter können sich nun spannenderen Aufgaben widmen und einen Blick über den Tellerrand wagen. Mit diesem Ansatz schaffen Sie intrinsische Motivation, die dazu beiträgt, Widerstände zu senken.

5. Verwenden Sie die ERP-Lösung nicht als reines Kontrollinstrument

Unternehmensweite Software-Systeme schüren oft die Angst vor Überwachung durch den Arbeitgeber. ERP-Systeme bilden da keine Ausnahme. Eine ERP-Software kann durchaus dazu verwendet werden, die Arbeitsleistung einzelner Abteilungen zu kontrollieren und Mitarbeiter an diesen Daten zu messen.

Dieses Vorgehen führt jedoch zu einer Kultur der permanenten Überwachung. In solch einem Umfeld existiert kaum noch intrinsische Motivation und Ihre Mitarbeiter sind nur noch damit beschäftigt, die eigene Position abzusichern. Denken Sie also intensiv darüber nach, bevor Sie ein ERP-System als Kontrollinstrument einführen.

Widerstände senken mit umsichtigem Change-Management

Am Ende des Tages ist die ERP-Einführung vor allem ein Change-Management-Prozess und kein reines IT-Projekt. Kommunikation und Personalführung sind von größerer Bedeutung als technische Details. Achten Sie darauf, alle Ihre Mitarbeiter an Bord zu holen – sonst riskieren Sie Widerstände und damit den Erfolg Ihres ERP-Projekts.

Natürlich hängt die erfolgreiche ERP-Einführung nicht ausschließlich von den Kollegen in den Fachabteilungen ab. Auch die Geschäftsleitung und das ERP-Projektteam leisten Ihren Beitrag. Wenn Sie wissen möchten, wie Sie alle wichtigen Personen an einen Tisch bekommen, hilft Ihnen unser Whitepaper „Geschäftsleitung, Key-User und Mitarbeiter: Gewinnen Sie alle Beteiligten für das ERP-Projekt“ bestimmt weiter.

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