Augmented Reality – Hype oder Zukunftstechnologie?

19.07.2019 Lesezeit: 8 Min.
Augmented Reality – Hype oder Zukunftstechnologie?
Jonathan Schwarzenböck
Jonathan Schwarzenböck
Working Student, Asseco Solutions AG
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Bisher hat sich Augmented Reality (AR) vor allem in der Unterhaltungsindustrie etabliert. Smartphone-Apps wie Pokémon Go prägen unsere Vorstellung von dem, was die erweiterte Realität leisten kann.

Doch AR-Anwendungen sind nicht nur Spielereien. Sie haben auch eine ernsthafte Seite. AR kann beispielsweise Navigationshinweise auf Windschutzscheiben projizieren, komplexe Zusammenhänge für Bildung und Lehre visualisieren oder medizinische Operationen erleichtern. Gerade für die Industrie bietet Augmented Reality enormes Potential. Voraussetzung dafür ist allerdings eine solide Datenbasis.



Was ist Augmented Reality?

Augmented Reality ist eine Technologie zur erweiterten, computergestützten Realitätswahrnehmung. Dabei wird die Sinneswahrnehmung des Anwenders durch digitale Objekte überlagert, die die physische Welt mit weiterführenden Informationen anreichern. Wichtig ist hier die Abgrenzung zu Virtual Reality (VR); eine Technologie, die virtuelle Szenarien erschafft und die Wahrnehmung des Nutzers vollständig ersetzt.

Oft werden Datenbrillen mit AR gleichgesetzt. Das entspricht jedoch nicht der Definition. Augmented Reality ist die computergestützte Erweiterung der Realitätswahrnehmung, unabhängig von der Hardware. AR-Anwendungen sind grundsätzlich auf jedem Endgerät möglich, das Informationen erfassen und ausgeben kann. Tatsächlich bevorzugen viele Unternehmen Smartphones oder Tablets gegenüber Datenbrillen, da sie günstiger und weiter verbreitet sind.

Beispiel: Augmented Reality im technischen Kundendienst

Augmented Reality ist eine flexible Technologie mit vielen verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten. Diese Flexibilität macht AR allerdings auch abstrakt und schwer zu durchdringen.

Betrachten wir daher als Beispiel ein konkretes Szenario, das Asseco bereits im Rahmen eines Pilotprojektes erprobt: AR-Anwendungen im Service.

Der Service steht im Geschäftsalltag vor mehreren Herausforderungen:

  • Moderne Maschinen sind immer öfter komplexe IT-Systeme, deren Wartung sowohl Hardware- als auch Software-Kenntnisse voraussetzt.
  • Im Außeneinsatz hat das Service-Team nur die Ressourcen zur Verfügung, die es mitgebracht hat. Zusätzliches Personal ist meist nicht schnell genug vor Ort.
  • Defekte Maschinen verursachen hohe Ausfallkosten. Der Service muss im Schadensfall schnell reagieren und hat nur wenig zeitlichen Spielraum.
  • Dank fortschreitender Sensortechnik und Methoden wie Predictive Maintenance fallen drohende Defekte und Abnutzungserscheinungen schneller auf. Dadurch müssen Service-Teams allerdings auch mehr Wartungseinsätze durchführen.

Die drei Herausforderungen verdeutlichen: Der Service muss sowohl breitere Kompetenzen entwickeln als auch flexibler werden. Für beide Anforderungen bietet Augmented Reality einen Lösungsansatz.


Augmented Reality ist eine Zukunftstechnologie, die großes Potential für Unternehmen birgt.Augmented Reality ist eine Zukunftstechnologie, die großes Potential für Unternehmen birgt.


Support für den Außendienst

In einem Pilotprojekt hat Asseco eine AR-Applikation entworfen, die den Service-Außendienst vor Ort unterstützt. Die App verwendet die Kamera eines Tablets oder Smartphones, um die zu wartende Maschine zu scannen. Wurde die Maschine erkannt, legt die App Konstruktionspläne als 3D-Modell darüber. Service-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter können dadurch in die Maschine hineinschauen, ohne sie auseinander zu bauen.

Das 3D-Modell bildet außerdem die Basis für weitere Support-Funktionen. So kann das System beispielsweise Montage- oder Wartungsanleitungen als Bild-in-Bild einblenden. Jeder Schritt der Anleitung wird erklärt und mit dem 3D-Modell verknüpft. Der entsprechende Teil der Maschine wird optisch hervorgehoben, während der Bildausschnitt den Arbeitsvorgang in Form einer Animation erklärt.

Benötigt der Service vor Ort Unterstützung, kann die App einen Video-Call aufbauen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können also Fachexperten zu Rate ziehen, die mehr Erfahrung mit dem Wartungsobjekt haben. Die Experten sehen das Video der Handykamera, können telefonisch Hinweise geben und sogar in den Videostream „hineinzeichnen“ (dieses Feature ist allerdings noch nicht verfügbar).

Die AR-Applikation stärkt auf diese Weise das Kompetenzprofil des technischen Kundendienstes. Wenn Außendienst-Mitarbeiterinnen oder -Mitarbeiter keine Erfahrung mit einer Maschine haben, können sie interaktive Wartungs-Dokumente abrufen oder Kollegen zu Rate ziehen. Somit haben die Techniker vor Ort jederzeit die Informationen, die sie brauchen.

Abruf von Maschinendaten

Die AR-Applikation erkennt die zu wartende Maschine anhand eines aufgedruckten QR-Codes. Dieser Scan dient nicht nur der Auswahl der passenden Konstruktionspläne. Hat die Applikation die Maschine erst einmal erkannt, kann sie noch weitere Informationen abrufen, die für die Wartung relevant sind. Zum Beispiel:

  • Modell der Maschine
  • Seriennummer
  • Technische Konfiguration
  • Wartungshistorie
  • Offene oder abgeschlossene Service-Tickets
  • Aktuelle Sensordaten
  • Sensordaten im Zeitverlauf
  • 3D Modell und Konstruktionsdaten
  • Ersatzteilshop
Ohne ein modernes ERP-System im Hintergrund wird es Unternehmen schwerfallen, die nötige Datenbasis für Augmented-Reality-Anwendungen zu schaffen.

ERP ist eine ideale Datenbasis für Augmented Reality

Das Beispiel zeigt, dass der Mehrwert einer AR-Anwendung stark von deren Datenbasis abhängt. Die Applikation ruft Informationen aus verknüpften Systemen ab und legt diese als digitales Overlay über die physische Welt. Augmented Reality kann also nur dann funktionieren, wenn das Unternehmen über gepflegte und gut strukturierte Geschäftsdaten verfügt.

Betrachten wir die drei zentralen Elemente, die den Kern von Augmented Reality bilden:

  • Wahrnehmung der physischen Welt durch die Sensoren des Endgeräts.
  • Interpretation der wahrgenommenen Situation und Verknüpfung mit passenden Daten.
  • Erweiterung der Realitätswahrnehmung durch Hinzufügen digitaler Objekte.

Wichtig ist hier vor allem der zweite Punkt. Wahrnehmung und Erweiterung sind Domäne der AR-App und in der Regel Teil ihres Funktionsumfangs. Für die Interpretation und Analyse der wahrgenommenen Situation ist jedoch fast immer eine externe Datenquelle nötig (zum Beispiel eine Cloud-basierte Software-Lösung).

Ein Beispiel: Navigationssysteme können zwar die GPS-Koordinaten des Anwenders feststellen und optische Hinweise auf dem Bildschirm anzeigen. Um die Route zu berechnen benötigen sie jedoch aktuelles Kartenmaterial. Ohne Karte gibt es auch keine Navigation.

Aus diesem Grund bilden ERP-Systeme die ideale Grundlage für Augmented-Reality-Anwendungen in der Industrie. Ein ERP-System ist dazu da, Daten aus der gesamten Organisation zu konsolidieren, auszuwerten und verständlich aufzubereiten. Es bildet einen zentralen Daten-Hub, auf den weitere IT-Systeme zugreifen können. Das bedeutet: Den Daten-Pool, den die AR-Anwendung braucht, gibt es im ERP-System bereits. Er muss nicht erst aufgebaut werden. Die Herausforderung besteht eher darin, eine Schnittstelle zwischen beiden Systemen herzustellen.

Zusammengefasst

Augmented Reality ist eine Zukunftstechnologie, die großes Potential für Unternehmen birgt. Wer schnell genug handelt, kann von einem First-Mover-Advantage profitieren und Mehrwerte realisieren, die gegenüber der Konkurrenz einen USP darstellen: effizientere Logistik, besserer Service oder höhere Kundenzufriedenheit, um nur einige zu nennen.

Voraussetzung ist allerdings eine solide Datenbasis. AR-Applikationen erweitern die Realitätswahrnehmung des Anwenders um digitale Datenobjekte. Ihr Mehrwert hängt somit unmittelbar von der Qualität der dargestellten Daten ab.

Schaffen Sie also die nötigen Voraussetzungen, bevor Sie Augmented Reality in ersten Projekten einsetzen. Hierfür bietet sich ein ERP-System als zentraler Datenknoten an. Damit sind Sie schon einmal auf der sicheren Seite, was die Datenbasis anbelangt.

Augmented Reality ist nicht die einzige datengetriebene Zukunftstechnologie, die dem Service zugutekommt. Vernetzte Sensoren und Maschine Learning schaffen z. B. mit Predictive Maintenance einen Ansatz, der die Arbeit des technischen Kundendienstes nachhaltig verändert. Wenn Sie mehr darüber wissen möchten, ist unser Whitepaper „Service als Start in die Industrie 4.0“ der ideale Einstieg für Sie!

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