Wie ein ERP-System dabei hilft, die Variantenfertigung zu meistern

08.01.2018 Lesezeit: 7 Min.
Wie ein ERP-System dabei hilft, die Variantenfertigung zu meistern
Markus Reichl
Markus Reichl
Sales Competence Team, Asseco Solutions AG
Markus Reichl hat mehr als 20 Jahre Erfahrung in der ERP-Branche. Als Teil des Vertriebskompetenzteams unterstützt er die Vertriebsphase auf fachlicher Ebene.
Ihr Feedback zum Artikel?

Variantenfertigung stellt Produktionsunternehmen vor große Herausforderungen – So halten Sie mit Ihrem ERP-System dagegen.



In Zeiten der Industrie 4.0 locken starre Standardprodukte keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervor. Kunden wollen sich heutzutage in kürzester Zeit ihr persönliches Wunschprodukt zusammenstellen – natürlich zum günstigen Preis der Massenfertigung. Produktkonfigurationen und Individualisierung mögen aus Kundensicht mit Sicherheit eine gute Sache sein. Unternehmen stellt Variantenfertigung jedoch vor große Herausforderungen.

Das größte Problem für Variantenfertiger ist die Komplexität. Flexible Produktprogramme mit vielen Ausführungsvarianten ziehen einen erheblichen Aufwand nach sich – nicht nur im Vertrieb und der Produktion, sondern auch in der gesamten Auftragsabwicklung. Bereits eine geringe Anzahl von Standardbauteilen führen in ihrer Kombination zu einer stattlichen Menge von Produktvarianten.

Nehmen wir zum Beispiel an, Sie bieten drei verschiedene Komponenten in jeweils fünf Ausfertigungen an. Schon bei diesem überschaubaren Angebot müssen Sie sich mit 125 unterschiedlichen Kombinationen auseinandersetzen– und diese in der Variantenfertigung auch herstellen. Wenn Sie der steigenden Komplexität Herr werden wollen, sollten Sie mit moderner Technik dagegensetzen – vor allem mit einem ERP-System.


Produktvarianten machen die Angebotserstellung schwierig

Bereits die Klärung von Kundenwünschen kann in der Variantenfertigung zu Problemen führen. Denn nicht alle Kombinationen sind machbar oder empfehlenswert. Vielleicht überschreiten zwei Komponenten zusammen die maximale Traglast des Rahmens. Oder die Temperaturentwicklung mehrerer Bauteile ist zusammengenommen zu hoch. Auch Abhängigkeiten der Bauteile untereinander müssen Sie beachten. Vielleicht erfüllen einige Bauelemente die Anforderungen hinsichtlich Temperatur und Verschmutzung – aber was ist, wenn sie sich nicht mit einer anderen Komponente vertragen, die für angemessene Performance sorgt?

Erschwerend kommt hinzu, dass Hersteller zum Zwecke der Kundenbindung sehr viel Wert auf einen langfristigen Support ihrer Produkte legen. Zum Teil sind sie auch gesetzlich dazu gezwungen. So sollen neue Bauteile immer abwärtskompatibel zu älteren sein. Das wiederum erhöht die Abhängigkeiten der einzelnen Komponenten bei der Konfiguration zusätzlich.

Mit Hilfe eines Produktkonfigurators können moderne ERP-Lösungen den Mehraufwand in der Variantenfertigung deutlich reduzieren.

Sie können zwar versuchen all diese Risiken schon während des Bestellprozesses abzufangen. Aber ab einer bestimmten Komplexität ist eine Beratung durch Ihre Vertriebsabteilung unabdingbar – und das kostet wiederum Zeit und Geld.


Auftragsabwicklung per Produktkonfigurator bezieht den Anwender mit ein

Viele Variantenfertiger wickeln die Projektierung eines Auftrags immer noch „manuell“ ab. Die Kollegen müssen sämtliche Unterlagen per Hand zusammenklicken und weiterleiten. Das betrifft zum Beispiel:

  • Lieferumfang/Stückliste
  • Kalkulationsunterlagen
  • Zeichnungen
  • Produktbeschreibungen
  • Auftragsbestätigung
  • Fertigungsunterlagen

Wie Sie sich leicht vorstellen können, führt diese unnötige Klickerei in der Praxis häufig zu Projektierungs- und Kalkulationsfehlern, langen Bearbeitungszeiten und einer mangelnden Qualität der Angebote. Ohne Automatisierung ist das praktisch unvermeidlich.

Mit Hilfe eines Produktkonfigurators können moderne ERP-Lösungen diese Mehraufwendungen in der Variantenfertigung deutlich reduzieren. Der Konfigurator ermöglicht es Kunden, sich ihr Wunschprodukt bequem am eigenen PC zusammenzuklicken. Dabei führt sie das Programm Schritt für Schritt durch den Konfigurationsprozess. Bei Abhängigkeiten erscheint sofort ein Warnhinweis. Varianten, die für das Gesamtangebot am wirtschaftlichsten oder am schnellsten realisierbar sind, lassen sich hervorheben und so die Komplexität in der Produktion begrenzen.

Natürlich kann auch der Vertrieb den Produktkonfigurator als Arbeitswerkzeug nutzen. Beispielsweise kann ein Vertriebsmitarbeiter das Tool im Gespräch auf einem Tablet verwenden, um gemeinsam mit dem Kunden denkbare Varianten zu besprechen. Bei technischen Fragen kann er eine spezifische Konfiguration direkt per Link an eine andere Abteilung weiterleiten.


Automatische Prozesse sorgen für Synergien

Auf Anbieterseite löst eine Bestellung über den Konfigurator eine Reihe von Automatismen aus. Die Bestellung wird im ERP-System automatisch als Auftrag angelegt. Lagerbestände werden angepasst, der Einkauf im Bedarfsfall direkt informiert. Das CRM-System erhält sämtliche Bestelldaten und relevante Daten werden an die Fertigung übermittelt. Die Produktion kann danach den Auftrag unter Berücksichtigung von Lagerbeständen und Kapazitäten präzise einplanen.

Aus Sicht der Arbeitsvorbereitung unterstützt das ERP-System daher ein abteilungsübergreifendes Denken, sorgt für klare Abläufe und erhöht die Planungssicherheit. Damit das möglich wird, benötigen Sie allerdings eine übergreifende Systemarchitektur mit zentraler Datenhaltung. Features und Module für CRM, Controlling oder ein Online-Webshop sollten in der Architektur nahtlos integriert sein. Nur so kann der Datenaustausch zwischen den Modulen reibungslos gelingen.



ERP schafft Wettbewerbsvorteile in der Variantenfertigung

Die Komplexität, die mit den stetig steigenden Anforderungen der Kunden einhergeht, stellen Variantenfertiger vor immer neue Herausforderungen. Aus diesem Grund sollten Unternehmen mit diesem Produktionsmodell frühzeitig in die Optimierung und Konsolidierung ihrer IT-Infrastruktur investieren. So schaffen Sie die Grundlage für dynamisches Wachstum.

Eine entscheidende Rolle in der neuen IT-Umgebung übernimmt dabei die ERP-Lösung. Sie sorgt dafür, dass alle notwendigen Auftrags- und Prozessdaten über eine gemeinsame Plattform verfügbar sind. Das ermöglicht es Variantenfertigern, Prozesse reibungslos miteinander zu verknüpfen und Synergieeffekte zu nutzen. Den Kern des Ganzen bildet ein integrierter Produktkonfigurator. Er schafft Transparenz gegenüber dem Kunden, erleichtert die Abwicklung abteilungsübergreifender Prozesse und erhöht die Usability für alle Beteiligten.


Branchenspezifische Funktionalitäten machen einen großen Unterschied

Als Variantenfertiger sollten Sie also bei der Auswahl Ihres nächsten ERP-Systems auf branchenspezifische Funktionalitäten, wie einen Produktkonfigurator, achten. So versetzen Sie sich selbst in die Lage, jeden beliebigen, technisch machbaren Kundenwunsch flexibel und kontrolliert zu fertigen und auch in kürzester Zeit zu liefern. Damit sind Sie auch in Zukunft für steigende Kundenansprüche gewappnet.

Wenn Sie sicherstellen wollen, dass Ihre branchenspezifischen Anforderungen bereits in die ERP-Auswahl mit einfließen, können wir Ihnen unser Whitepaper „Der richtige Weg zum ERP-Lastenheft“ empfehlen. Es erklärt Ihnen ganz genau, wie Sie das perfekte Lastenheft aufsetzen – inklusive aller Anforderungen der Variantenfertigung.

Schlagwörter:

#

Mehr ERP-Wissen:
Ihr kostenloses Whitepaper.

Erfahren Sie, wie Sie ein Lastenheft für Ihr zukünftiges ERP-System korrekt erstellen.

Zum kostenlosen Whitepaper