ERP-Einführung in China: So werden Sie fit für Fernost

29.08.2016 Lesezeit: 4 Min.
ERP-Einführung in China: So werden Sie fit für Fernost
Christoph Beckmann
Christoph Beckmann
International Business Manager, Asseco Solutions AG
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Im Rahmen von Roundtables oder Beratungsgesprächen sprechen wir immer mal wieder mit unseren Kunden über deren Zukunftspläne. In letzter Zeit steht für viele Unternehmen das Thema „Markterweiterung nach Fernost“ auf der Agenda.

Der Grund ist klar: China ist für viele deutsche Unternehmen ein attraktiver Markt. Doch wer dort Geschäfte machen will, muss eine Menge beachten. Die asiatischen Regeln, Gesetze und Gepflogenheiten unterscheiden sich deutlich von dem, was in Europa Standard ist. Das betrifft natürlich auch die ERP-Auswahl. Wenn Ihr ERP-System auch für den chinesischen Markt geeignet sein soll, gibt es daher viel zu bedenken.

Gesetzliche Anforderungen im Reich der Mitte

Unternehmen, die in China operieren, müssen sich an die Vorgaben der chinesischen Behörden halten. Daraus ergeben sich wiederum einige technische Anforderungen an Ihr ERP-System. Beispielsweise muss die Kommunikation mit Finanzbehörden zwingend in chinesischer Sprache erfolgen. Das ERP-System muss also chinesische Schriftzeichen (Simplified Chinese) unterstützen. Das gilt sowohl für die Benutzeroberfläche als auch für sämtliche Dokumente, die das System generiert.

Das Golden-Tax-System

Doch mit Schriften alleine ist es nicht getan: Die chinesischen Behörden verlangen, dass alle mehrwertsteuerpflichtigen Rechnungen in einem bestimmten Format vorliegen müssen, das unter anderem eine eindeutige Identifikationsnummer enthält.

Für die Verwaltung und Registrierung mehrwertsteuerpflichtiger Rechnungen hat die chinesische Regierung das Golden-Tax-System eingeführt: Eine offiziell zertifizierte Steuersoftware, die anfallende Steuern ermittelt und passende Rechnungen erstellt. Dabei enthält eine Anfrage an das Golden-Tax-System nicht nur Daten aus der Finanzbuchhaltung: Auch Daten aus der Ressourcenplanung sind enthalten, wie z. B. Anzahl, Einzelpreis oder Artikelnummer.

Kurz gesagt: Ohne das Golden-Tax-System können Sie keine Geschäfte in China abwickeln. Es ist daher unabdingbar, dass Ihr ERP-System eine passende Schnittstelle besitzt.

Kulturelle Herausforderungen

Neben den gesetzlichen Anforderungen haben Sie noch nicht alle Klippen umschifft. Es gibt eine Menge kulturelle Unterschiede, die die ERP-Einführung in China komplizieren. Denkmuster und Verhaltensweisen, die in einer Kultur völlig klar und akzeptiert sind, können in einer anderen Ratlosigkeit hervorrufen. Daher bringt auch interkulturelles Projektmanagement ganz eigene Herausforderungen mit sich.

Interkulturelle Kommunikation kann knifflig sein

Beispielsweise wird die deutsche Kommunikationsweise im Ausland oft als zu knapp und direkt wahrgenommen – die Chinesische dagegen eher als indirekt. In China versucht man immer, den anderen nicht vor den Kopf zu stoßen.

Interagieren Personen aus beiden Ländern nun miteinander, sind Konflikte vorprogrammiert: Chinesen werden Deutsche im schlimmsten Fall als ungeduldig und respektlos empfinden. Die Deutschen werden wiederum ihre chinesischen Gegenüber als kompliziert und umständlich wahrnehmen.

Darüber hinaus herrscht in China ein starkes Hierarchiedenken: Anweisungen von oben werden einfach ausgeführt. Es ist unüblich, Höherstehende zu kritisieren. Für Deutsche, die eine viel geringere Machtdistanz gewohnt sind, ist das ungewohnt. Das erschwert eine offene Diskussionskultur.

Auswirkungen auf die ERP-Einführung

Solche kulturellen Unterschiede können gravierende Auswirkungen auf Ihr ERP-Projekt haben. Beispielsweise kann es sich an chinesischen Standorten als schwierig erweisen, konkretes Feedback des Personals zu erhalten. In einer hierarchischen Kultur, wie der Chinas, wird es kein Mitarbeiter wagen, die Meinung der Geschäftsleitung in Frage zu stellen. Lehnen Ihre chinesischen Mitarbeiter das ERP-System ab, erfahren Sie das vielleicht zu spät.

Kulturelles Verständnis ist an dieser Stelle essentiell. Sie können die meisten Missverständnisse vermeiden, indem Sie sich auf die chinesische Mentalität einlassen. Mittelfristig ist es darüber hinaus empfehlenswert, gemischte Teams aus chinesischen und europäischen Mitarbeitern einzusetzen.

So wird die ERP-Einführung in China zum Erfolg

Die gute Nachricht ist: Eine ERP-Einführung läuft in China nicht grundsätzlich anders ab als in Deutschland. Die Prozesse sind die gleichen. Sie müssen lediglich darauf achten, die notwendigen technischen Anpassungen vorzunehmen, da Sie sonst Schwierigkeiten mit der chinesischen Gesetzgebung bekommen.

Auch die kulturelle Perspektive können Sie mit etwas Geschick in den Griff bekommen. Lassen Sie sich von der chinesischen Kommunikationsweise nicht verwirren, sondern begegnen Sie ihr offen und respektvoll. Ernennen Sie zum Beispiel jemanden zum Projektleiter für die ERP-Einführung, der eine möglichst hohe Position im Unternehmen einnimmt – so nutzen Sie die Hierarchie und sorgen für einen reibungslosen Projektablauf. Wenn Sie all diese Faktoren im Auge behalten, können Sie auch der ERP-Einführung in Fernost gelassen entgegenschauen!

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