Die ERP-Einführung ist mehr als nur ein IT-Projekt

11.10.2016 Lesezeit: 3 Min.
Die ERP-Einführung ist mehr als nur ein IT-Projekt
Christian Leopoldseder
Christian Leopoldseder
Managing Director Austria, Asseco Solutions AG
Christian Leopoldseder ist seit 2004 bei Asseco tätig. Er leitet alle Niederlassungen in Österreich und ist Geschäftsführer von Assecos KI-Tochter SalesBeat.
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„Ein ERP-System ist ein Stück Software. Es ist die Aufgabe der IT, sich darum zu kümmern.“ Diese Meinung ist leider in vielen Unternehmen verbreitet. Die Geschäftsleitung kauft das System, die IT-Abteilung installiert die Software auf allen Rechnern. Und dann läuft alles – soweit die Theorie.

In der Realität ist die ERP-Einführung aber weit mehr als ein reines IT-Projekt: Es handelt sich dabei um einen umfassenden Change-Prozess. Wenn Sie sich allein auf die technische Seite konzentrieren, übersehen Sie möglicherweise einige der größten Stolpersteine, die in einem ERP-Projekt auftreten können.

Kommunikation ist wichtiger als Technik

Nur selten geraten ERP-Projekte wegen technischer Probleme ins Wanken. Dafür ist die Technik heute zu sehr standardisiert. Wenn ein Projekt ins Schleudern gerät, dann fast immer wegen fehlender Kommunikation oder mangelndem Personalmanagement.

Nichts kann eine ERP-Einführung schneller in Teufels Küche bringen als mangelnde Absprachen zwischen Unternehmen und ERP-Dienstleister. Bei einem Projekt, das so eng mit Ihren individuellen Geschäftsprozessen verknüpft ist, ist stetige Kommunikation der Schlüssel. Jede Funktion, die Sie fehlerhaft beschreiben, findet sich im Konzept wieder. Jede Prozessbeschreibung, die der Anbieter anders interpretiert, senkt die Qualität des Systems. Das ist keine Frage der technischen Basis: Ein ERP-System kann einwandfrei laufen und trotzdem an Ihren Anforderungen vorbei gehen.

Der Mensch steht im Mittelpunkt

Doch auch wenn das ERP-System Ihre Anforderungen vollständig erfüllt, sind Sie immer noch nicht über den Berg. Der Mensch steht im Mittelpunkt der ERP-Einführung, nicht die Software. Ihre Mitarbeiter arbeiten jeden Tag mit dem System und sie schaffen den Mehrwert. Das heißt: Lässt sich Ihr Personal nicht auf die neuen Abläufe im ERP ein, ist das System nichts weiter als verschwendeter Speicherplatz.

Beziehen Sie also Ihre Mitarbeiter am besten von Anfang in den Einführungsprozess ein. Schon für die Anforderungsanalyse erhalten Sie wichtigen Input aus der Belegschaft – diese Wünsche und Anforderungen bilden den Grundstein des Lastenhefts. Und auch bei der Anbieterauswahl sollte Sie darauf achten, was die Kollegen und Kolleginnen zu Funktionsumfang und Usability sagen.

Die IT ist meist kein guter Projektleiter

Ein weiteres Argument gegen die ERP-Einführung als IT-Projekt ist die Projektleitung: Übernimmt die IT die Leitung, fallen ihr auch Projektmanagement und Koordination zu. Für eine erfolgreiche ERP-ProjektIeitung braucht es aber eine übergreifende Perspektive – denn das ERP-System betrifft das gesamte Unternehmen.

Die IT-Abteilung kann diese Rolle daher oft nur schwer ausfüllen. In der Regel hat sie innerhalb des Unternehmens eine unterstützende Funktion: Sie stellt anderen Bereichen eine technische Infrastruktur bereit. Dabei interagiert die IT aber selten fachlich mit anderen Abteilungen und besitzt kaum Einblicke in deren Arbeitsprozesse. Die IT sollte daher vor allem eine unterstützende Rolle einnehmen. So geben Sie Ihren technischen Mitarbeitern eine Aufgabe, für die sie optimal geeignet sind.

Holen Sie alle mit an Bord – nicht nur die IT

Nun sollte klar sein, wieso Sie die ERP-Einführung nicht als reines IT-Projekt aufziehen sollten. Der IT-Abteilung fehlt der strategische Überblick, um Projektmanagement und Anforderungsspezifikation zu übernehmen. Darüber hinaus ist Sie nicht der richtige Ansprechpartner für Herausforderungen, die sich aus der Personalführung ergeben. Hier muss stattdessen die Geschäftsleitung tätig werden.

Das heißt natürlich nicht, dass die IT kein Teil des ERP-Projekts ist. Es bedeutet viel mehr, dass Sie alle Abteilungen mit einbeziehen sollten, nicht nur eine einzige. Denn ein umfassender Change-Management-Prozess wie die ERP-Einführung kann nur gelingen, wenn wirklich alle an einem Strang ziehen.

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