Agile ERP-Einführung oder Wasserfallmodell – Was ist der Unterschied?

21.02.2019 Lesezeit: 7 Min.
Agile ERP-Einführung oder Wasserfallmodell – Was ist der Unterschied?
Patrick Mathis
Patrick Mathis
Head of Sales Competence Team, Asseco Solutions AG
Patrick Mathis ist Leiter des Vertriebskompetenzteams und blickt auf 25 Jahre ERP-Erfahrung zurück.
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Zu Beginn der ERP-Einführung muss sich jedes Unternehmen entscheiden, welchen Implementierungsansatz es verwendet. Früher war diese Wahl einfach, denn es gab kaum Alternativen zum klassischen Wasserfallmodell. Das hat sich aber inzwischen geändert. Mit agilen Methoden steht nun eine weitere Option für die ERP-Einführung zur Verfügung.

Daraus ergeben sich allerdings auch weitere Fragen:

  • Was ist der Unterschied zwischen beiden Ansätzen?
  • Und welcher ist für das eigene Unternehmen besser geeignet?

Schauen wir uns doch beide Modelle mal im Detail an, bevor wir einen direkten Vergleich ziehen.



Das Wasserfallmodell

Das Wasserfallmodell ist ein linear sequentielles Vorgehensmodell, das bei der Organisation komplexer Projekte (gerade in der Software-Entwicklung) lange Zeit Standard war.

Einzelne Projektphasen laufen bei diesem Ansatz chronologisch ab. Das Ergebnis einer Phase bildet verbindliche Vorgaben für die nächste. Wiederholungen, Rückflüsse oder nachträgliche Modifikationen sind, zumindest im klassischen Modell, nicht vorgesehen. Eine abgeschlossene Phase gilt als unveränderlich. Der gesamte Projektplan läuft somit immer nur in eine Richtung ab, in Form einer Kaskade. Daher auch der Name Wasserfallmodell.

Der Vorteil des Wasserfallmodells liegt in seiner hohen Planungssicherheit. Der Projektverlauf wird bereits zu Beginn festgelegt und in den meisten Fällen nicht mehr verändert. Projektverantwortliche kennen daher zu jeder Zeit den Status der Aufgabenpakete, zu erwartende Aufwände und kommende Schritte. Dieses (vermeintlich) hohe Maß an Kontrolle macht das Wasserfallmodell gerade im ERP-Bereich sehr beliebt.


Die Wahl des passendes Implementierungsansatzes für die ERP-Einführung hängt immer vom Kontext ab.


Paradoxerweise führt das streng lineare Vorgehen aber auch ein Stück weit zu Kontrollverlust. Grund dafür ist, dass Implementierung und Funktionstest sequentiell streng voneinander getrennt sind. Dadurch offenbaren sich Konzeptionsfehler erst sehr spät im Projekt – zum Teil sogar erst während des Integrationstests. Das führt mitunter zu Verzögerungen und kostspieligen Nachrüstungen.

Zwar gibt es auch im Wasserfallmodell Freigaberunden während des Projektverlaufs. Aber bis zur Testphase bewegt sich das ERP-Projekt überwiegend auf einer abstrakten, konzeptionellen Ebene. Dadurch kommt es leicht zu Kommunikationsfehlern und Missverständnissen zwischen Kunde und Anbieter, die beide Parteien erst nach der technischen Implementierung erkennen.

Agile Methoden

Als Alternative zum Wasserfallmodell hat sich in den vergangenen Jahren ein Ansatz etabliert, der ebenfalls aus der Software-Entwicklung stammt: Die agile Projekteinführung.

Dabei handelt es sich um ein iteratives Vorgehensmodell, das streng lineare Abläufe durch Implementierungszyklen ersetzt. In jedem Zyklus setzt das Projektteam ein Arbeitspaket (meist eine funktionale Anforderung) vollständig um. Das beinhaltet nicht nur die technische Implementierung, sondern auch Tests und Schulungen der Anwender. Dadurch steht am Ende jedes Zyklus ein lauffähiges Teilsystem, dessen Funktionsumfang stetig wächst.

ERP-Anbieter und Auftraggeber arbeiten im agilen Vorgehensmodell eng miteinander zusammen. Der Kunde ist an jedem Bearbeitungszyklus beteiligt, erhält kontinuierlich lauffähige Teilergebnisse und kann jederzeit Feedback geben. Das ist auch einer der wesentlichen Vorteile agiler Methoden. Da die Anwender das ERP-System schon während der Implementierungsphase testen und kennenlernen, kommt es seltener zu Missverständnissen.

Konzeptionsfehler treten schnell zu Tage – nämlich dann, wenn die entsprechende Funktion implementiert wird. Das verhindert nicht nur Verzögerungen und Nachbesserungen, sondern stellt auch sicher, dass die fertige ERP-Lösung den tatsächlichen Anforderungen des Tagesgeschäfts entspricht.

Der Nachteil ist jedoch, dass die Geschäftsleitung einen Teil ihrer Kontrolle über das ERP-Projekt aufgibt. Da es keine starren Projektpläne gibt, ist der Verlauf der Implementierung oft nur schwer vorhersehbar. Das kann gerade für streng durchstrukturierte Unternehmen durchaus ein Problem darstellen.

Wasserfall vs. Agiles ProjektmanagementWasserfall vs. Agiles Projektmanagement - welches ist die bessere Vorgehensweise? Oder ist die Lösung sogar hybrid?

Was ist der Unterschied?

Schon auf den ersten Blick wird klar, dass beide Implementierungsansätze sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede aufweisen. Das macht auch Sinn. Beide verfolgen das gleiche Ziel, aber mit unterschiedlichen Mitteln.

Agile Methoden sind stark praxisorientiert und auf eine enge Zusammenarbeit zwischen Kunde und ERP-Anbieter ausgerichtet. Ihr Ziel ist es, möglichst schnell erlebbare Teilergebnisse zu schaffen, die wiederum eine Diskussionsgrundlage für den weiteren Projektverlauf darstellen. Agile Ansätze sind somit im Bereich des Rapid Prototyping anzusiedeln. Sie schaffen zunächst ein erstes Ergebnis und entwickeln dieses iterativ weiter, basierend auf dem Feedback des Projektteams und der ERP-Anwender. Planung und Konzeption sind im agilen Bereich nicht fix, sondern kommen in jedem Implementierungszyklus erneut zur Sprache.

Das Wasserfallmodell bildet in mancher Hinsicht das Gegenteil dazu. Denn es ist starrer, aber auch strukturierter. Die Konzeptionsphase ist der Implementierung vorgelagert. Unternehmen, die nach dem Wasserfallmodell vorgehen, planen zu Beginn des Projekts jedes Detail durch. Sie erarbeiten ein Konzept, das nach Freigabe nur noch in Ausnahmefällen modifiziert wird. Dieses Konzept bildet wiederum den Kern des gesamten ERP-Projekts. Es legt nicht nur den Ablauf detailliert fest, sondern bildet auch eine Vorgabe, an der sich die Implementierung ausrichtet.

Welches Vorgehensmodell ist besser?

Welcher Ansatz ist nun der Bessere? Darauf gibt es leider keine pauschale Antwort. Beide haben ihre Vor- und Nachteile. Die richtige Wahl hängt immer vom Kontext ab.

Für manche Unternehmen haben zum Beispiel Planungssicherheit, Kontrolle und umfangreiches Reporting oberste Priorität. In diesem Fall ist wohl das Wasserfallmodell die bessere Option. Andere Unternehmen operieren in einem engen Zeitrahmen und wollen so schnell wie möglich ein funktionsfähiges ERP-System zum Laufen bringen – notfalls auch mit eingeschränkten Funktionen. In dieser Situation macht ein agiles Vorgehen sicherlich mehr Sinn.

Allerdings schließen sich agile Methoden und Wasserfallmodelle nicht grundlegend aus. Es gibt hybride Ansätze, die Elemente beider Vorgehensweisen kombinieren. Eine Möglichkeit ist, agile Elemente in ein lineares Framework einzubetten. In Assecos hybridem Einführungsmodell läuft beispielsweise die Implementierungsphase agil ab, Projektvorbereitung und Inbetriebnahme jedoch linear. Dadurch kombinieren wir die Planungssicherheit des Wasserfallmodells mit der Flexibilität agiler Methoden. Aber natürlich gibt es auch andere hybride Ansätze für die ERP-Einführung. Informieren Sie sich einfach!

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