Studie „ERP in der Praxis 2018/19“ - Die wichtigsten Ergebnisse zusammengefasst

17.10.2018 Lesezeit: 7 Min.
Studie „ERP in der Praxis 2018/19“ - Die wichtigsten Ergebnisse zusammengefasst
Ralf Bachthaler
Ralf Bachthaler
Chief Sales Officer, Asseco Solutions AG
Ralf Bachthaler ist seit über 25 Jahren in der ERP-Welt zu Hause. Als Chief Sales Officer trägt er bei Asseco die Gesamtverantwortung für den Vertrieb.
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Im September 2018 hat die Trovarit AG die Ergebnisse ihrer aktuellen Studie „ERP in der Praxis 2018/2019“ veröffentlicht. Dafür befragte das Unternehmen in Zusammenarbeit mit Partnern und Universitäten rund 2.200 Entscheider, hauptsächlich aus den Bereichen IT, Geschäftsführung, Finanzen und Controlling. Hieraus ergaben sich Anwenderaussagen über 40 verschiedene ERP-Systeme, darunter auch unsere Lösung APplus.

Im Mittelpunkt der Studie standen die Zufriedenheit der Anwender und deren Anforderungen an eine ERP-Software. Dabei kamen einige interessante Einsichten über den Praxiseinsatz von ERP-Lösungen ans Licht, die Entscheidern bei der Systemauswahl Orientierung bieten.

Anwenderzufriedenheit und Wirtschaftlichkeit hängen zusammen

Laut der Studie schneiden schlanke ERP-Systeme oder dedizierte Branchenlösungen in Sachen Anwenderzufriedenheit besser ab als ihre komplexeren Mitbewerber. Gründe dafür sind ein geringerer Administrationsaufwand, eine engere Kundenbeziehung zum ERP-Anbieter und eine modernere Oberflächenergonomie. Den dritten Punkt erklären die Autoren dadurch, dass schlankere ERP-Systeme kürzere Release-Zyklen haben und somit häufiger aktualisiert werden.

Interessant ist vor allem, dass laut Studie ein signifikanter Zusammenhang zwischen Anwenderzufriedenheit und der Wirtschaftlichkeit einer ERP-Software besteht. Usability ist somit ein entscheidender Faktor, wenn es um den ROI der ERP-Einführung geht. Ein Punkt, den ERP-Entscheider bei der Systemauswahl beachten sollten.

Keine ERP-Software ist perfekt. So offenbart die Studie auch Kritikpunkte. Bei der Mehrheit der ERP-Lösungen wird die mobile Nutzbarkeit nur als durchschnittlich bewertet. Hier gibt es noch großen Handlungsbedarf.

ERP-Trends: Datenschutz und Datenmanagement an der Spitze

Im Rahmen der Studie sollten die Befragten angeben, welche Aspekte für sie bei der Bewertung ihrer ERP-Lösung die höchste Relevanz besitzen. Ein Blick auf diese „ERP-Trends“ verdeutlicht: Aktuell steht für viele Entscheider der Umgang mit steigenden Datenmengen im Vordergrund. Das liegt vor allem an der Rolle des ERP-Systems als Datendrehscheibe für weitere Software-Applikationen im Unternehmen.

So gaben 55 Prozent der Befragten an, dass die Daten- und Informationssicherheit für sie derzeit eine „sehr hohe Relevanz“ habe. Damit befindet sich dieser Faktor auf Platz eins der aufgeführten ERP-Trends. Auf Platz zwei rangiert das Datenmanagement, das für 42 Prozent der Befragten einen hohen Stellenwert besitzt.

Beide Werte dürften in den kommenden Jahren noch steigen. Denn angesichts der zunehmenden Vernetzung von Prozessen und den strengeren Regelungen hinsichtlich des Datenschutzes verändern sich auch die Anforderungen an das ERP-System.

Vor diesem Hintergrund wundert es nicht, dass auf Platz drei der ERP-Trends rechtliche beziehungsweise Compliance-Vorgaben (41 Prozent) stehen. Dieses Thema betrifft aktuell fast alle ERP-Anwender. Schließlich haben kürzlich erfolgte Gesetzesänderungen wie die E-Bilanz, die GoBD oder die DSGVO direkten Einfluss auf zentrale ERP-Funktionalitäten. Laut Artikel 25 der DSGVO müssen Unternehmen beispielsweise den „Datenschutz durch Technikgestaltung“ sowie durch „datenschutzfreundliche Voreinstellungen“ (privacy by design) gewährleisten.

ERP-Nutzen: Prozessoptimierung steht im Vordergrund

Auch das Thema ERP-Nutzen offenbart einige interessante Einsichten. Auffällig ist, dass Entscheider vor allem die prozessoptimierenden Effekte eines ERP-Systems schätzen. So nannten 64 Prozent der Befragten eine Beschleunigung und Vereinfachung von Geschäftsprozessen als positiven Effekt ihrer ERP-Lösung. Auf Platz zwei der Rangliste steht die Möglichkeit, schneller und einfacher auf relevante Informationen zuzugreifen (53 Prozent). Dahinter folgen eine durchgängige Prozessunterstützung ohne Medienbrüche (51 Prozent), steigende Informationsqualität (43 Prozent) sowie potentielle Prozessautomatisierung (27 Prozent).

Dass sich Prozessoptimierung als ein zentraler Nutzen von ERP-Systemen erweist, war vorherzusehen. Überraschender ist dagegen, dass nur 5 Prozent der Befragten sinkende Prozesskosten angaben. Es wäre zu erwarten, dass schnellere, effizientere Prozesse auch einen monetären Mehrwert mit sich bringen. Hier zeigt sich allerdings einmal mehr, dass der konkrete ROI eines ERP-Systems nur schwer zu beziffern ist. Komplexe Ursache-Wirkung-Beziehungen machen es schwer, den Nutzen der ERP-Lösung aus allen weiteren Faktoren herauszufiltern.


Wie zufrieden sind die Anwender von ERP-Systemen? Die Ergebnisse fasst die Trovarit-Studie anschaulich zusammen.Wie zufrieden sind die Anwender von ERP-Systemen? Die Ergebnisse fasst die Trovarit-Studie anschaulich zusammen.


Auch die Unterstützung bei standortübergreifender Zusammenarbeit gaben die befragten Personen nur selten als ERP-Nutzen an. Lediglich 15 Prozent der Studienteilnehmer bestätigten, von solchen Effekten zu profitieren. Angesichts der zunehmenden Globalisierung überrascht dieser Wert.

Allerdings sehen die Autoren hier nicht nur die ERP-Anbieter in der Verantwortung. Viele Unternehmen haben das Thema Internationalisierung samt seinen Auswirkungen auf die IT-Infrastruktur noch nicht auf dem Schirm. Daher kann ein ERP-System in solchen Fällen auch nichts unterstützen.

Das Gesamtbild ist positiv

Die befragten Entscheider äußerten sich weitgehend positiv über ihre ERP-Lösungen. Vor allem die Punkte Stabilität, Support und Funktionalität bewerteten die Befragten fast durchgängig positiv. Auch in der Gesamtwertung vergaben die Studienteilnehmer gute Noten, im Durchschnitt 1,9 (mit 1 = „sehr gut“ und 5 = „mangelhaft“).

Allerdings ist keine ERP-Software perfekt. So offenbart die Studie auch ein paar Kritikpunkte. Die mobile Nutzbarkeit ihrer ERP-Lösung bewerteten die befragten Entscheider beispielsweise nur mit der Durchschnittsnote 2,9. Das Ziel „ERP zu jeder Zeit an jedem Ort“ scheint also noch nicht ganz erreicht. Zwar bieten viele ERP-Anbieter mittlerweile eine Reihe von Mobilapplikationen an. Dennoch besteht hier nach wie vor Handlungsbedarf.

Wenn Sie die Ergebnisse der Studie „ERP in der Praxis 2018/2019“ dazu gebracht haben, über ein neues ERP-System nachzudenken, haben wir einen guten Einstiegspunkt für Sie. Unser Whitepaper „Die ERP-Einführung von A bis Z.“ beschreibt den gesamten Prozess im Detail – von der Anforderungsanalyse bis hin zur finalen Abnahme.

Zur Studie:

In Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern veröffentlicht die Trovarit AG seit 2004 alle zwei Jahre ihre Studie „ERP in der Praxis – Anwenderzufriedenheit, Nutzen und Perspektiven“. Die Basis der Studie bildeten in diesem Jahr 2.207 Befragungen von Geschäftsführern, IT-Leitern und ERP-Fachverantwortlichen aus Unternehmen in ganz Europa. Im Mittelpunkt standen dabei der Nutzen, den die Befragten aus ihrer ERP-Lösung ziehen, und die Anforderungen, die sie an die Software stellen. Dazu äußerten sich die Befragten über Trends und Entwicklungen auf dem ERP-Sektor. Die vollständige Studie kann ab Mitte Oktober unter www.trovarit.com/erp-praxis/ angefordert werden.

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