Was bedeutet Compliance?

In Organisationen ist unter Compliance die Einhaltung von Rechtsvorschriften, internen Richtlinien und ethischen Standards zu verstehen. Sie umfasst alle Maßnahmen und Prozesse, die regelkonformes und verantwortungsbewusstes Handeln sicherstellen. Ziel der Compliance ist es, gesetzliche Verstöße und Fehlverhalten zu verhindern, um das Risiko rechtlicher Konsequenzen und finanzieller Schäden zu minimieren.

Compliance: Definition

Wörtlich übersetzt bedeutet der Begriff Compliance auf Deutsch so viel wie Einhaltung, Beachtung oder auch Erfüllung. Er stammt vom englischen Verb „to comply“ – befolgen, einhalten, sich fügen – ab. Im Unternehmenskontext ist mit Compliance das Beachten aller geltenden Gesetze, Vorschriften und ethischen Grundsätze gemeint. 

Der Terminus beschreibt also das regelkonforme und gewissenhafte Handeln einer Organisation und deren Mitarbeitenden. Entscheidungen sollen nicht nur rechtlich korrekt, sondern auch moralisch vertretbar sein.

Wichtig dabei:
Auch wenn die rechtliche Compliance einen großen Stellenwert einnimmt, umfasst das Aufgabenfeld deutlich mehr als nur das Befolgen juristischer Pflichten. Vielmehr steht Compliance für ein umfassendes System aus Regeln und Verhaltensweisen, mit denen ein Unternehmen seine Integrität wahrt. Die einzuhaltenden Richtlinien müssen dabei nicht unbedingt gesetzlich auferlegt sein. Es kann sich auch um Vorschriften handeln, die ein Unternehmen auf freiwilliger Basis für sich selbst festgelegt hat.

Compliance: Bedeutung für Organisationen

In der heutigen Unternehmenswelt ist regulatorische Compliance von zentraler strategischer Bedeutung. Globale Märkte und internationale Lieferketten haben in den letzten Jahren dazu geführt, dass Unternehmen mehr denn je einer Vielzahl gesetzlicher Anforderungen unterliegen. Gleichzeitig erwarten Kund*innen und Investoren heutzutage, dass Unternehmen ethisch und nachhaltig handeln

Verstöße gegen Compliance-Vorgaben können erhebliche Folgen haben, z. B.:

  • Gerichtsverfahren 
  • Geld- und Freiheitsstrafen
  • Schadensersatzforderungen
  • Einschränkungen der Geschäftstätigkeit
  • Reputationsschäden

Gelebte Compliance hingegen trägt wesentlich zum Schutz eines Unternehmens und dessen Mitarbeitenden bei. Indem sie Transparenz schafft, stärkt sie das Vertrauen von Geschäftspartnern und der Öffentlichkeit. Denn sie zeigt, dass eine Organisation Verantwortung übernimmt und verlässlich handelt.

Da Compliance Risiken mindert, trägt sie maßgeblich zur langfristigen Stabilität eines Unternehmens bei. Damit stellt sie wiederum einen entscheidenden Wettbewerbsfaktor dar.

Auf welchen Vorschriften beruht Compliance?

VorschriftBeispieleCompliance-Ziel
Gesetzliche VorgabenHandelsgesetzbuch (HGB), Datenschutzgesetze (DSGVO, BDSG), Arbeits- und Umweltrecht, Wettbewerbsrecht, Verbraucherschutzgesetz uvm.Rechtssicherheit schaffen und Verstöße gegen Gesetze verhindern
Behördliche und aufsichtsrechtliche VorgabenVorgaben von Umwelt- und Gesundheitsbehörden, der BaFin und der EU-Kommission Einhaltung branchenspezifischer Auflagen und Standards
Interne UnternehmensrichtlinienVerhaltenskodex (Code of Conduct), Arbeitsverträge, Antikorruptions- und BeschaffungsrichtlinienKonkretisierung gesetzlicher Anforderungen und Steuerung interner Abläufe
Ethische Grundsätze und UnternehmenswerteFairness, Nachhaltigkeit, Umweltfreundlichkeit, TransparenzFörderung verantwortungsvollen Handelns über gesetzliche Pflichten hinaus
Vertragliche VerpflichtungenLieferanten- und Kundenverträge, Geheimhaltungsvereinbarungen, QualitätsstandardsEinhaltung vertraglich vereinbarter Pflichten
Branchenspezifische Standards und internationale NormenISO-Normen, UN Global Compact, OECD-LeitsätzeOrientierung an international anerkannten Prinzipien und Best Practices

Was ist ein Compliance-Management-System (CMS)?

Anders als der Name vermuten lässt, handelt es sich bei einem Compliance-Management-System nicht um eine Softwarelösung. Stattdessen bezeichnet der Begriff das Gesamtkonzept, mit dem ein Unternehmen alle relevanten Gesetze und Richtlinien einhält. 

Das CMS ist ein Zusammenspiel aus unterschiedlichen Maßnahmen, Werkzeugen und Prozessen, die das organisatorische Rückgrat der Compliance-Arbeit bilden. Es legt beispielsweise fest, wer für welche Aufgaben zuständig ist und was im Falle eines Verstoßes zu tun ist. Ziel ist es, Risiken zuverlässig zu erkennen und so ein Höchstmaß an Sicherheit zu schaffen.

Zu den wichtigsten Bestandteilen eines CMS zählen:

  • eine Risikoanalyse, um besonders gefährdete Bereiche zu identifizieren
  • Richtlinien und Verhaltenskodizes, welche die Vorschriften und Werte des Unternehmens beschreiben
  • Verfahren und Prozesse, die das tägliche Handeln bestimmen
  • Schulungen und eine offene Kommunikation, um im gesamten Unternehmen ein Bewusstsein für Compliance zu schaffen
  • Überwachungsmechanismen wie Audits und interne Kontrollen
  • ein Meldesystem, über das Mitarbeitende Verstöße anonym mitteilen können

Selbst das beste Compliance-Management-System nützt allerdings wenig, wenn es nicht aktiv gelebt wird. Daher ist es besonders wichtig, dass Führungskräfte mit gutem Beispiel vorangehen und eine starke Compliance-Kultur etablieren. In einer derartigen Kultur wird Compliance nicht als lästige Notwendigkeit verstanden, sondern ist ganz selbstverständlich in den Arbeitsalltag integriert.

Genauso wichtig ist es, das CMS als einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess zu betrachten. Unternehmen müssen ihre Regeln und Verfahren regelmäßig überprüfen, an neue rechtliche Anforderungen anpassen und aus früheren Fällen lernen.

Gut zu wissen: Einem Urteil des OLG Nürnberg vom 30.03.2022 zufolge müssen alle Geschäftsführenden einer GmbH ein CMS einrichten. Das gilt auch für kleine und mittelständische Unternehmen. Denn für den Fall, dass Mitarbeitende aufgrund eines mangelnden Compliance-Konzepts ein folgenschweres Fehlverhalten an den Tag legen, haftet der Geschäftsführer höchstpersönlich.  

Wer ist für Compliance verantwortlich?

Grundsätzlich tragen alle Beschäftigten dazu bei, dass Gesetze und Richtlinien eingehalten werden. Dennoch gibt es unterschiedliche Rollen mit jeweils eigenen Aufgaben und Verantwortlichkeiten.

Die Unternehmensleitung

Die Geschäftsführung trägt die Gesamtverantwortung für die Befolgung sämtlicher Vorgaben. Sie gibt die strategische Richtung vor und sorgt für die notwendigen Ressourcen. Darüber hinaus prägt sie durch ihre Kommunikation den sogenannten Tone from the top: Nur wenn die Chefetage Compliance glaubwürdig vorlebt, werden die Vorgaben auch von der Belegschaft ernst genommen.

Compliance-Abteilung

Eine zentrale operative Rolle übernimmt der Compliance Officer oder die Compliance-Abteilung. Diese Stelle ist für die Umsetzung, Überwachung und Weiterentwicklung der Compliance-Strukturen verantwortlich. Zu ihren Aufgaben gehören unter anderem:

  • die Identifizierung und Bewertung von Compliance-Risiken
  • die Entwicklung von Richtlinien und Schulungskonzepten
  • die Beratung von Führungskräften und Mitarbeitenden
  • die Untersuchung und Dokumentation möglicher Verstöße

Führungskräfte

Auch Team- und Abteilungsleiter*innen spielen eine entscheidende Rolle. Indem sie die vorgegebenen Regeln im Tagesgeschäft umsetzen, geben sie ein gutes Vorbild für ihre Kolleg*innen ab. Zudem sind sie dafür verantwortlich, dass ihre Mitarbeitenden die Regeln kennen und anwenden.

Mitarbeitende

Alle Angestellten sind Teil der Compliance-Kultur. Sie müssen nach den geltenden Vorschriften handeln und bei Verdachtsfällen Verantwortung übernehmen – etwa durch die Nutzung eines Melde- bzw. Hinweisgebersystems.

Compliance-Management: Die wichtigsten Software-Tools

Damit die Umsetzung von Compliance möglichst effizient abläuft, ist die Nutzung spezieller Softwarelösungen empfehlenswert. Folgende Tools erleichtern Unternehmen die Einhaltung von Regeln:

Compliance-Management-SoftwareDient zur zentralen Steuerung und Überwachung aller Compliance-Aktivitäten.
Risikomanagement-ToolsUnterstützen bei der Identifikation, Bewertung und Überwachung von Compliance-Risiken.
HinweisgebersystemeBieten Mitarbeitenden eine anonyme Möglichkeit, Verstöße oder Verdachtsfälle zu melden.
Audit- und KontrollsoftwareUnterstützt interne und externe Prüfungen durch automatisierte Kontrollmechanismen und dokumentiert Ergebnisse.
Schulungs- und E-Learning-PlattformenDienen der Sensibilisierung von Mitarbeitenden und Führungskräften für Compliance-Themen durch interaktive Trainings.

Wie bedeutend ist ein ERP-System für das Compliance-Management?

Auch eine ERP-Lösung nimmt für die Compliance-Arbeit einen hohen Stellenwert ein. Da sie nahezu alle Geschäftsabläufe transparent abbildet und eine zentrale Datenbasis schafft, lassen sich Prozesse nachvollziehbar und prüfbar gestalten.

Darüber hinaus ermöglichen ERP-Systeme 

  • automatisierte Kontrollen, z. B. bei Freigaben von Zahlungen oder Bestellungen, 
  • die Nutzung von Berechtigungskonzepten, um sensible Informationen zu schützen,
  • eine lückenlose Dokumentation von Transaktionen und
  • die Erfassung eines ERP-Audit-Trails.

Zudem lassen sich ERP-Lösungen in der Regel mit Risikomanagement- und Dokumentenmanagement-Modulen erweitern. So können Unternehmen die Einhaltung von Richtlinien direkt in ihre Arbeitsabläufe integrieren.

Anwendungsbeispiel: CML Europe GmbH

Durch die Einführung des ERP-Systems APplus kann CML Europe Branchen- und Prozessstandards deutlich einfacher einhalten – beispielsweise die Anforderungen der ISO-Norm 9001. Die Prozessstandardisierung sorgt für klar definierte Abläufe, die sich jederzeit nachweisen lassen. Außerdem ist der Elektronikspezialist dank der ergänzenden IMS-Lösung in der Lage, alle Prozesse umfassend zu dokumentieren und die Daten bei Zertifizierungen oder Audits unmittelbar vorzulegen.

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FAQ zu Compliance

Welche Herausforderungen sind mit Compliance häufig verbunden?

Eine der größten Herausforderungen besteht in der zunehmenden Komplexität rechtlicher Anforderungen. Hiervon sind vor allem international tätige Unternehmen betroffen. Hinzu kommen begrenzte personelle und monetäre Ressourcen sowie unklare Zuständigkeiten. Auch technologische Veränderungen, etwa durch Digitalisierung und KI, können Hürden darstellen. Nicht zuletzt führt oftmals das fehlende Bewusstsein für das Thema innerhalb der Belegschaft zu Problemen.

Welche Rolle spielt die Unternehmenskultur für Compliance?

Eine offene und werteorientierte Unternehmenskultur ist das Fundament einer erfolgreichen Compliance. Wenn Mitarbeitende ihren Führungskräften vertrauen und Fehlverhalten ohne Angst melden können, wird das Thema im Alltag selbstverständlich. Geschäftsführende und leitende Angestellte müssen dabei als Vorbilder agieren und klare Erwartungen formulieren. So wird rechtliche, ethische und interne Compliance Teil des Arbeitsalltags – und bleibt nicht nur ein formales Regelwerk.

Wie lässt sich der Erfolg des Compliance-Managements messen?

Die Wirksamkeit der Compliance-Arbeit lässt sich mithilfe von Kennzahlen (KPIs) messen und durch regelmäßige Audits prüfen. Typische Indikatoren sind Schulungsquoten, Anzahl und Bearbeitungszeiten von Hinweisen sowie Ergebnisse interner Kontrollen. Auch das Feedback aus der Belegschaft gibt Aufschluss über die gelebte Compliance-Kultur.

Wie können kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) Compliance umsetzen?

Auch kleinere Unternehmen profitieren von klaren Regeln, selbst wenn sie kein eigenes Compliance-Team haben. Wichtig sind einfache, praxistaugliche Richtlinien und ein transparenter Umgang mit Risiken. Bereits ein kurzer Verhaltenskodex sowie ein Ansprechpartner für Compliance-Fragen können viel bewirken. Entscheidend ist, dass die Geschäftsführung Verantwortung übernimmt und die Einhaltung der Regeln vorlebt.

Wie oft sollte ein Unternehmen seine Compliance-Regeln überprüfen?

Compliance-Abteilungen sollten ihre Richtlinien mindestens einmal jährlich überprüfen. Hin und wieder erfordern gesetzliche oder interne Veränderungen entsprechende Anpassungen am Regelwerk. Eine solch kontinuierliche Evaluation sorgt dafür, dass das Compliance-System stets aktuell bleibt. Auf diese Weise vermeiden Unternehmen unnötige Risiken.